Archiv für August 2008

Die Angst der BürgerInnen vor ein bischem Freiheit…

Am 16. Juli 2008 fanden in Bühl und Umgebung 18 Hausdurchsuchungen statt. Beschlagnahmt, genauer entwendet, wurden wie immer bei solchen Aktionen PCs, CD-Roms und andere Speichermedien.

Auslöser dieser völlig überzogenen Polizei-Aktion war eine Party-Besetzung in Bühl am 4. Juli der Initiative für einen linken Freiraum.
Die überwiegend jugendlichen AktivistInnen nahmen ihr Anliegen selbst in die Hand anstatt auf Almosen der Gemeinde zu warten. Sie wollten ihrer Forderung nach einem selbstverwalteten Freiraum mit einer Party in einem leerstehenden Gebäude Nachdruck verleihen und erfuhren, was es heißt, sich an und auf den engen Grenzen der bürgerlichen Zufriedenheit zu bewegen.
Nicht nur dass einige der Jugendlichen Verletzungen von Polizeiwaffen davontrugen. Nein, auch die Presse – hier tut sich das Badische Tagblatt besonders hervor – der mündigen BürgerInnen hat sich auf sie eingeschossen. Wie immer wurden Polizeiberichte für bare Münze genommen und eine Prise provinzjournalistischer „Recherche“ würzte das Ganze zu Hetzartikeln gegen junge Menschen, die es wagten, einen Freiraum einzufordern, in dem sie hierarchiefrei gemeinsam experimentieren wollten.

18 Hausdurchsuchungen wegen der mehr als berechtigten Forderung nach Freiraum.
An solchen durchgeknallten Aktionen werden verschiedene Zustände unserer Gesellschaft, dieses Staates deutlich:
Die Angst der BürgerInnen und ihres Staates vor der Freiheit und sei diese Freiheit auch noch so beschränkt auf nur einen Raum, einen Ort.
Die Willkür der Mächtigen. Verhältnismäßigkeit der Mittel? Dialog? Pluralismus? Was ihnen nicht in den Kram passt, wird verhindert, beendet oder zerstört.
Die Hörigkeit der „freien“ Presse. Schlechte JournalistInnen schreiben schlecht recherchierte Artikel auf Grundlage von Polizeiberichten, die noch schlechter sind…Heiligendamm lässt grüßen!
Die Ohnmacht von Menschen, die etwas gegen die herrschenden Zustände unternehmen wollen, die bunte Akzente in eine graue Einheitswelt setzen wollen und dies nicht dürfen und können, weil ein militärischer Polizeiapperat und die Judikative unbesiegbar erscheinen.
Aber auch: Es gibt nach wie vor und immer mehr Menschen, die diese Zustände nicht mehr hinnehmen wollen. Sie wollen solidarisch, frei, gemeinsam und selbstbestimmt leben und arbeiten.
Und solche Menschen leben auch in Bühl und um Bühl herum.

Wir forden die Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände.
Wir forden die Einstellung der Ermittlungen und Verfahren gegen die Betroffenen AktivistInnen.
Wir unterstützen die Initiative in ihrer Forderung nach einem Freiraum in Bühl.

anarchistische gruppe ortenau [ago], 24.7.2008

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